Gepostet von Luca Hammer am
02.05.2008
Die Sinnkrise und ihre Bewältigung
Ein kleiner See. Irgendwo bei Wien.
Das Rad lehnt hinter mir an der Bank, neben mir eine Brücke, vor mir das Wasser. Rundherum Trauerweiden.
Jeden dritten Satz, den ich schreibe, streiche ich wieder durch. Wörter werden ausgetauscht und umgestellt. Es ist lange her, dass ich einen Beitrag für 2-Blog auf einem Block geschrieben habe. Drei Monate? Ich kann mich nicht mehr erinnern.
Ein älteres Ehepaar geht an mir vorbei. Sie schauen mich skeptisch an. Die Cucks, die weißen Socken, die hochgekrempelte, olivgrüne Hose, das weiße Hemd oder der Baumwollpullover. Irgendetwas schein ihre Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Vielleicht ist es auch nur die Tatsache, dass ich hier sitze und schreibe.
Die Sinnfrage. Immer wieder kommt sie auf. Manchmal dauert es Monate, manchmal nur Tage oder Wochen. Oft steigert sie sich schnell. Es wird bald das ganze Leben in Frage gestellt. Es reicht nicht zu wissen wozu man bloggt, wenn man nicht weiß wofür man lebt. Der Sinn der Menschheit.
Eine Frage, die man nicht allgemeingültig beantworten kann. Vielleicht nicht einmal von Fall zu Fall.
Die Menschheit weiter zu bringen, auf die nächste Stufe helfen. Und dann? Der Drang sich auszubreiten, alles erforschen und besitzen, sitzt tief. Dennoch muss man sich manchmal die Frage stellen, wo das alles hinführt, ob man das will. Oder ob es gar keinen Sinn macht sich darüber Gedanken zu machen.
Das höchste Ziel ist glücklich sein.
Eine Ente schwimmt mit ihrem Jungen vorbei. Ist sie glücklich?
Ein Mensch kann nur selbst sagen, ob er glücklich ist. Was er dazu braucht. Letzteres fällt mir selbst schwer. Liebe, Erfolg, Freundschaft. Nur Überbegriffe.
Glück ist ein schwieriges Wort.
Zufriedenheit auch.
Wieder auf dem Rad. Der Spielplatz war zu nahe. Entlang einer stark befahrenen Straße. Abgase inhalieren und die Polizei bei der Pause stören.
Um den Sinn des Blogs soll es gehen. Das Leben gehört dazu, ist aber nicht ausschlaggebend. Nicht in diesem Beitrag.
Grundsätzlich geht es darum Inhalte ins Internet zu stellen. Informationen, Wissen, Bilder, Videos. Erfahrungen und Überlegungen. Gedanken. Gefühle. Kunst. Dinge teilen. Sich selbst mitteilen.
Der Sinn des bloggens ist so vielfältig wie das bloggen selbst.
Als ich begann diesen Beitrag zu schreiben, wusste ich nicht was ich schreiben werde. Das Problem ist zugleich die Lösung. Wenn ich blogge, setze ich mit etwas auseinander. Ich beschäftige mich mit mir selbst und lebe bewusster.
Blogs anderer Menschen eröffnen mir neue Sichtweisen, inspirieren mich, zeigen mir Sachen, die ich nicht kannte, bringen mich weiter und wecken manchmal Gefühle.
Die Wolken ziehen sich zurück und geben der ständig anwesenden Sonne mehr Platz um mich mit Wärme zu versorgen.
Bloggen bedeutet Dinge nicht nur wahr zu nehmen, sondern sich etwas damit zu machen und das Ergebnis zu teilen.
Bild: .Storm

