Liber Secundus:
Evelyn
Mögest du in interessanten Zeiten leben.
Alter Chinesischer Fluch
Eine andere Sichtweise. Echt Hammer!
Liber Secundus:
Evelyn
Mögest du in interessanten Zeiten leben.
Alter Chinesischer Fluch
Touristen spazierten in Scharen hinter ihm vorbei, doch Mort fühlte sich allein, als er still auf dem steinernen Rand der Brücke saß. Im Schatten einer der zahlreichen Statuen starrte er auf den breiten braunen Fluss, ohne dem angenehmen Frühlingswetter, den heiteren Klänge der Tschechischen Straßenmusikanten, oder den kurzen Röcke der Touristinnen Acht zu schenken. Früher hatte er oft geträumt, wenn es so ruhig war. Von unglaublichen Abenteuern, von grandiosen Heldentaten, von der großen Liebe.
Auch in diesem Moment träumte er. Doch er dachte nicht mehr an eine glorreiche Zukunft; es war die Vergangenheit, die ihn nicht losließ.
Zugegeben, er hatte unglaubliche Abenteuer erlebt. Aber bei weitem keine Heldentaten vollbracht, oder die große Liebe gefunden. So leid es mir tut, aber das hier ist kein Hollywoodfilm, sondern eine wahre Geschichte. Und die Wahrheit ist: es kann immer noch schlimmer kommen. Also seid vernünftig und schaut euch lieber witzige Videos auf youTube an.
Wäre Mort sich dieser Tatsache bewusst gewesen, hätte er Dingen wie das Wetter, Musik und feminine Reize mehr Beachtung geschenkt und zu schätzen wissen sollen. Doch er saß stumpfsinnig und geistesabwesend auf dem kühlen Stein und versuchte vergebens die Gedanken zu verdrängen, die ihn gefangen hielten:
Er war aus einer Irrenanstalt ausgebrochen.
Er hatte einen Arzt erschlagen.
Er befand sich mitten in einer riesigen fremden Stadt, ohne Geld oder Unterschlupf.
Und das alles auf der völlig irrationalen Suche nach seinem toten Freund.
Mann, war er am Arsch.
Mort wusste, dass er wahnsinnig sein musste.
Immerhin war die einzige Person, mit der er in der letzten Stunde kommuniziert hatte, ja die einzige, die er als Freund bezeichnet hätte, ein Zwerg, der in seinem Daumen wohnte.
Mort wünschte, die Moldau möge diese furchtbaren Gedanken mit sich tragen und in ihren schlammigen Tiefen verschlingen.
Doch die Moldau war ein undankbarer Fluss, und anstatt Morts trübe Gedanken zu absorbieren, spie sie eine junge Dame aus, die – wie könnte es anders sein – alles nur noch schlimmer machen würde.
Mort kniff seine Augen zusammen und späte in die sanften Wellen in der dunklen Brühe. Dort war sie wieder, er hatte sich nicht getäuscht. Der Körper einer Dame tauchte in den Wellen hinter dem Brückenpfeiler auf, um sogleich wieder mit grausamer Anmut zu versinken.
War sie tot?
Mort konnte es unmöglich sagen, doch er musste nicht lang überlegen.
Dies war ein Wink des Schicksals; seine Chance, seine abscheulichen Untaten auch nur ansatzweise wieder gutzumachen, um sich selbst zu erlauben, die Sache hinter sich zu lassen (um alle anderen involvierten Personen wollte er sich später sorgen). Und wenn der Fluss seine Gedanken nicht wollte, so dachte Mort (nicht erst jetzt), so mochte er ebenso gut Mort selbst in seinen schwarzen Tiefen versinken lassen. Er hatte also nichts zu verlieren.
In diesem fatalen Irrglauben stieß er sich von der Statue ab und rauschte zwanzig Meter Richtung Fluss.
Es gibt Menschen, bei denen sind die Verbindungen zwischen den sogenannten Synapsen im Gehirn blockiert, sodass dort keine Information in Form von Nervenimpulsen ausgetauscht werden kann. Die betroffenen Personen merken sich Informationen nicht so schnell oder haben Schwierigkeiten beim Lesen. Solche Menschen werden heute als Legastheniker bezeichnet; ältere, weniger politisch korrekte Ausdrücke inkludieren Lapp, Trottel, Volltrottel (engl. Full Throttle), Depp, Idiot etc.
Es gibt andere Menschen, bei denen Verbindungen offen stehen, wo eigentlich keine sein sollten, in die unterbewussten oder auch unbewussten Bereiche unseres Geistes. Anstatt wie die Menschen, die wir als normal ansehen, nur im Schlaf diese Botschaften, in Form von Träumen, zu empfangen, können diese Personen auch am hellichten Tage mit offenen Augen die verschiedensten Informationen aus dem Unterbewusstsein erhalten, die tatsächlich nicht mit dem eigentlichen Moment in Verbindung stehen. Sie können diese dann nicht von ihrer realen Wahrnehmung unterscheiden. Für die Art von Menschen hat man viele Ausdrücke, darunter Wahnsinniger, Psychopath oder Genie.
Eine dritte Form der Strukturen, die ein Gehirn annehmen kann, ist die der Hyperintelligenz. Sie sind einfach außerordentlich komplex vernetzt, und verfügen dann beispielsweise über ein fotografisches Gedächtnis. Diese Menschen sind für gewöhnlich als Genies, Hochbegabte oder Klugscheißer bekannt.
Stellt euch nun alle drei Arten von Vernetzung in einem einzigen Gehirn vor, wie folgt: alle nützlichen Gebiete sind blockiert, während das Unterbewusstsein sowie absolut triviales Wissen besonders stark vernetzt sind. Denkt euch ein hübsches junges Mädchengesicht davor.
Das ist Evelyn.
Er hatte sich verrechnet.
Der Brückenpfeiler verlief pyramidenförmig nach oben; auf Höhe des Flusses war er einige Meter breiter.
Nach einem kurzen Fall stach Mort hart mit der Ferse gegen einen Steinblock und verlagerte sein Momentum nach vorne. So kam er leider nicht wie geplant gerade, mit Füßen voran, auf der dreckigen Oberfläche auf, sondern ausgesprochen ungünstig schräg, mit Kopf voran.
Alles wurde dunkel, als Mort in das eiskalte Wasser eintauchte, wofür nicht allein der schlammige Fluss verantwortlich war. Er war sofort bewusstlos.
Mort schreckte auf, wie aus dem seltsamsten Traum den er sich vorstellen konnte. Er hustete, bis das Wasser seine Lungen verließ, um gierig Luft holen zu können.
Schemenhaft bewegte sich ein gigantisches Wesen neben ihm, gleichförmig und monoton wie ein Ersatzwort für Synonym. Seine Gedanken waren wirr. Alles rauschte ziemlich laut. Dumpf hörte er ein anderes Geräusch hinter dem Rauschen, wie ein schlecht eingestelltes Radio.
Er versuchte sich zu konzentrieren, sodass seine Augen wieder in dieselbe Richtung blickten, und bemerkte, dass die Bewegung neben ihm zu einem riesigen Zahnrad wurde. Die Welt gewann zunehmend an Schärfe, bis Mort erkannte, das es sich um ein rauschendes Mühlrad handelte.
Sein Atem klang seltsam unregelmäßig, wohl eine Nachwirkung seines nahen Ertrinkens.
Mort begann nachzudenken. Er stieß auf einige Ungereimtheiten in den letzten Minuten seiner Erinnerung. Darunter die Tatsache, dass er noch am Leben war. Das wiederum führte ihn zu der Frage, wieso. Wie kam er zu der Mühle? Und was war mit der triebenden Frau geschehen?
Mit größter Mühe drehte er seinen Kopf nach links, um die Erklärung zu finden.
Sie war wunderschön.
Erstaunt richtete Mort sich auf, hustete und betrachtete das Mädchen, das mit geschlossenen Augen direkt neben ihm im Gras lag und leise atmete. Das nasse Haar klebte an ihrem hübschen jungen Gesicht; sie konnte kaum älter sein als er selbst.
Er wandte sich ab, um eine Ladung verschlucktes Dreckwasser auszuwürgen.
Evelyn riss die Augen auf. Sie wollte schreien, doch nur ein Krächzen verließ ihre Kehle, zusammen mit etwas dreckigem Flusswasser.
Was war nur geschehen? Sie war durch die Luft geflogen, durch das Wasser getaucht. Sie hatte Stimmen in ihrem Kopf gehört. Wo war sie?
Völlig unpassende Details kamen ihr in den Sinn.
Jährlich ertrinken etwa 450.000 Menschen weltweit.
Beim Untertauchen in Wasser wird durch den hydrostatischen Druck ca. ein Liter Blut in den thoraktalen Raum verschoben, was zur Erhöhung des zentralen Venendrucks und des Herzzeitvolumens führt.
Die Moldau, der breite, langsame und verdreckte Fluss durch Prag, ist 440 km lang.
Diese Informationen waren dem Grad ihrer Verwirrung kaum zuträglich.
Jemand saß neben ihr und starrte sie wortlos an.
Evelyns blaue Lippen zitterten dermaßen, dass sie kaum sprechen konnte.
„Y-you… you saved m-me?“, stotterte sie in ihrem britischen Akzent.
“Was?”, fragte Mort.
“Oh… du sprichst Deutsch?”
“Was?”, wiederholte Mort.
Trieb dieser Kerl ein Spiel mit ihr? Evelyn betrachtete ihn durch misstrauisch zusammengekniffene Augen.
Jedenfalls musste er sie aus dem Wasser gezogen haben.
„Ich bin Evelyn.“, sagte sie, „Du kannst Eve sagen.“
„Eve.“, sagte Mort.
Stille.
Eve blickte verlegen herum und räusperte sich.
„Und wie heißt du?“, fragte sie schließlich.
„Ich bin Mort“, erwiderte er mechanisch.
„Von Mortimer?“
„Nein, aus Österreich.“
Okay, der war nicht ganz sauber. Evelyn fand ihn sympathisch.
„Wie kann ich dir jemals danken,“, begann sie.
Mort sah sie an.
„Wofür?“, fragte er.
„Du hast mich aus dem Wasser gerettet?“, behauptete Eve unsicher.
Mort überlegte.
„Mitnichten.“, meinte er schließlich. „Du hast mich gerettet! Ich bin dir zu Dank verpflichtet.“
Eve beschloss, nicht weiter darauf herumzureiten.
Sie schaffte es etwa zwei Sekunden lang.
„Aber… nein! Ich hab dich nicht gerettet. Ich war bewusstlos.“, erklärte sie.
„Ich auch.“, erwiderte Mort. „So sehr ich es mir auch wünschte, ich hab uns nicht gerettet.“
„Aber hier ist sonst niemand.“, meinte Evelyn.
Sie schwiegen eine Weile lang, nur das monotone Rauschen des Wasserrads war zu hören.
„Wie bist du überhaupt in den Fluss gekommen?“, fragte Mort etwas unsensibel.
„Du glaubst mir bestimmt nicht.“, behauptete Eve.
„Probier es.“, erwiderte Mort.
Evelyn zögerte.
„Irgend etwas hat mich in den Fluss geworfen.“, erklärte sie.
„Aha.“, machte Mort.
„Es war unsichtbar.“, fuhr sie fort.
Mort sagte nichts.
„Es klingt dumm.“, begann Evelyn wieder.
„Ich glaube dir.“, sagte Mort.
Diese dreiste Lüge musste Evelyn belächeln.
„Du bist süß.“, meinte sie.
Mort hatte kaum Zeit, diesen höchst romantischen Moment zu genießen, da er von näherkommendem Sirenengeheul unterbrochen wurde. Bestimmt hatte jemand seinen todesmutigen Sprung beobachtet und die Rettung gerufen. Den Behörden wollte Mort nun freilich nicht in die Hände fallen. Es galt so schnell wie möglich zu verschwinden.
Er stand halb auf, fiel erschöpft um, und versuchte es erneut.
Evelyn kam auch auf die Beine, und stellte sich zittrig neben ihn.
„Du solltest liegen bleiben.“, erkannte sie.
„Aber nein, mir geht es gut. Du solltest liegen bleiben. Warte hier auf die Rettung, ich muss weg.“, beharrte Mort.
Eve starrte in seine Augen und schien plötzlich zu verstehen.
„Ich auch.“, sagte sie. „Mir nach.“
Und sie wankten eine schmale Treppe hinauf zur Altstadt.
In einer dunklen Seitengasse blieben sie liegen.
Kein Mensch hatte sie gesehen.
„Was führt dich nach Prag?“, fragte Evelyn, nachdem sie einige Minuten lang still nach Luft gerungen hatten.
„Der Zug“, antwortete Mort.
„Ahm, ja. Ich meine, bist du hier auf Urlaub?“
Mort entfuhr ein höhnisches Lachen.
„Das nun nicht gerade.“, gab er zu.
Musste man diesem Jungen denn wirklich jedes Wort aus der Nase ziehen?
„Wieso bist du hier?“, fragte Eve weiter.
Mort seufzte.
„Lange Geschichte.“, sagte er.
„Ich habe Zeit.“, sage Evelyn.
„Du glaubst mir bestimmt nicht.“, sagte er.
„Probier es“, sagte Evelyn.
„Du suchst nach deinem toten Freund, weil du eine Akte gefunden hast, in dem von seiner Einweisung in ein Prager Krankenhaus nach seinem Tod die Rede ist?“, fasste Evelyn zusammen. Es war keine Leichtigkeit, aus Morts langer, zusammenhangloser Erzählung das wichtigste herauszufiltern.
„Genau“, sagte Mort, sichtlich erfreut, dass ihr das gelungen war.
„Woher kommst du nochmal?“, fragte sie.
„Österreich“, wiederholte Mort zum dritten mal.
Evelyn dachte angestrengt nach.
„Wo liegt das?“, fragte sie schließlich.
„Es ist ein Nachbarland von Tschechien.“, erklärte Mort ruhig.
„Tur mir leid.“ Evelyn wurde rot. „Du lachst nicht.“, stellte sie fest.
„Man muss nicht alles wissen.“
Sie schüttelte den Kopf. „Bei mir ist es anders. Siehst du… je wichtiger etwas ist, desto eher vergesse ich es.“
„Ich bin paranoid schizophren.“
Sie begannen nervös zu lachen.
„Und was ist mit dir?“, wollte Mort wissen.
„Nichts besonderes.“, sagte Evelyn, „Ich wohne hier. Aber nicht mehr lange.“
Wenn ihr Evelyn in Verlegenheit bringen wollt, fragt sie, wo Österreich liegt, denn sie weiß es nicht.
Aber fragt etwas, wovon ihr euch absolut sicher seid, dass es wirklich niemand weiß, weil es vollkommen unwichtig ist; etwa woher der Name des Mars-Riegels stammt, wozu die Scoville-Skala dient, oder wie man Celsius in Fahrenheit umrechnet, und sie wird euch antworten: „Frank Clarence Mars“, „Zur Beurteilung von Schärfe“ und „Das weiß niemand so genau“. Folgt den Links und ihr werdet feststellen, dass die Antworten weitgehend der Wahrheit entsprechen.
Dieser grausame, wenn auch oftmals unterhaltsame neurologische Zufall bewirkte bei Evelyn konstante Langeweile. Die Langeweile setzte sich aus diversen Faktoren zusammen: miserable Schulnoten aufgrund der Legasthenie bei gleichzeitiger Unterforderung zum einen, reiche Eltern zum anderen.
Ihr Vater war, wie der Zufall so spielt, einer meiner ehrbaren Kollegen, währen Evelyns Mutter als Tierärztin tätig war. Die Familie wohnte in einer gewaltigen Villa hoch auf einem Hügel, der die Stadt überblickte. Tatsächlich hatte ich einige Male das Vergnügen, in dieses Haus eingeladen zu sein, um bei einer Tasse Keemun Imperial, second flush, und einer Montechristo No2 Bowling zu spielen, während ich durch die breite Fensterfront auf die Stadt blickte und mit Dr. Marat über gemeinsame Kollegen oder die Existenz von Außerirdischen diskutierte.
Doch ich schweife ab. Hier geht es um Dr. Marat’s Tochter Evelyn. Ich habe sie selbst nie getroffen, und beziehe alle Informationen aus den Aussagen meiner Kollegen oder Klienten, aus eigenen mühevollen Recherchen und vagen nächtlichen Visionen.
Jedenfalls ist mir bekannt, dass Evelyn mit all dem, was sie hatte, nicht zufrieden war. Sie wollte raus. Abenteuer erleben. Menschen helfen. Fremde Kontinente sehen. Wilde Tiere zähmen. Unbekannte Pilze essen. Eine weltberühmte Schauspielerin und/oder Sängerin werden. Die wahre Liebe finden.
Das wollen viele, doch Evelyn verließ eines Tages, und zwar genau drei Tage vor Beginn dieser Erzählung, die Villa durch den Geheimgang im Weinkeller, und betrat weder den Keller, noch irgendeinen anderen Teil des Hauses (mit Ausnahme des Daches) jemals wieder. Nicht, ohne sich vorher eine beträchtliche Menge and Bargeld sowie ihre Kreditkarte einzustecken.
Sie wusste nicht, wohin sie sich begeben wollte, oder wie lange sie dort bleiben würde.
„Wieso bist du abgehauen?“, fragte Mort.
Evelyn zuckte mit den Schultern.
„Keine Ahnung. Langeweile.“, schlug sie vor.
Mort musste lachen, um seinen Frust über diese Aussage zu überspielen. Dabei hatte er vor nicht allzu langer Zeit genauso gedacht.
„Und was hast du nun vor?“, fragten sie beide wie aus einem Munde, lachten verlegen, und machten eine Weile „Äh…“ und „Hm…“, bevor es Mort gelang als erster wieder einen sinnvollen Satz zu formen.
„In der Akte stand etwas von einem Heim für unheilbar Geisteskranke namens INK. Ich werde mich danach auf die Suche machen.“
„Ich helfe dir.“, beschloss Evelyn.
Ich wusste es, meine Leser sahen es gewiss auch kommen, doch für Mort war es eine große Überraschung.
Sie fanden das Krankenhaus nicht weit entfernt, und erfuhren mit viel Witz und Charme am Empfang, dass Sandy Witel (was sie als Anagramm von Sidneys Namen erkannten), im Zimmer 119 im 9. Stock lag. Als Ärzte verkleidet gelangten sie unbemerkt in jenes Zimmer, wo eine große Überraschung auf sie wartete. Da saß Sidney, unversehrt und munter und außer sich vor Freude, dass sein alter Freund Mort gekommen war, um ihn aus der Folterklinik zu befreien. Als sie sein Krankenbett jedoch aus dem Zimmer schieben wollten, um damit das Weite zu suchen, tauchte plötzlich ein Arzt hinter ihnen auf.
„Moment!“, rief der, „Was macht ihr denn da?“
Evelyn dachte blitzschnell.
Methylphenidat wird unter anderem für die Behandlung der Narkolepsie eingesetzt; heute wird es oft missbraucht, um tagelang konzentriert zu bleiben und nächtelang nicht schlafen zu müssen. Der bekannteste Name ist Ritalin., fiel ihr ein.
„Der Patient braucht eine doppelte Dosis Ritalin.“
„Na dann.“, meinte der Arzt und kehrte ihnen den Rücken zu.
Im Lift wechselten sie wieder in ihre Straßenkleidung und bewegten sich unauffällig an der Rezeption vorbei Richtung Ausgang.
Doch man hatte ihre Fluch bemerkt, Alarm wurde ausgelöst, das ganze Krankenhaus in Aufruhr, weiße Kittel überall.
Eine wilde Verfolgungsjagd begann, die an Morts Flucht aus der Nervenklinik erinnerte. Mit vereinten Kräften entkamen die drei jedoch um eine Haaresbreite und bald darauf saßen sie lachend in einem geschlossenen Zugabteil nach Wien.
Mort war glücklicher als je zuvor in seinem Leben.
So hat es sich natürlich nicht zugetragen.
Nichts läuft in der Realität so glatt ab.
Außerdem hätte ich es dann ja viel dramatischer ausgebaut.
Ich kenne die grauenhaften Details, die Morts Leben im weiteren Verlauf erfüllen sollten, doch meinen geschätzten Lesern bietet sich hier erneut die Gelegenheit, mit diesem befriedigenden, wenn auch langweiligen Ende abzuschließen, den Blogfeed zu löschen und die ganze Geschichte zu verdrängen.
Was läuft wohl grade im Fernsehen?
„Wie sollen wir dieses Krankenhaus überhaupt finden?“, seufzte Mort. „Hast du davon schonmal gehört?“
Evelyn schüttelte den Kopf.
Hätte Mort bloß den Rest jener Akte besessen, in der die Verlegung seines Freundes nach Prag beschrieben war. INK Krankenhaus. Wofür das wohl stand? Vermutlich irgendwas Tschechisches. INK…
Und diese Evelyn war ja auch eine schöne Hilfe. Wenngleich Mort freilich überaus glücklich war, eine freundliche Person getroffen zu haben, die nicht danach trachtete, ihn einzusperren oder in seinem Daumen zu wohnen. Sie schien sogar bereit, ihm bei seinem wahnwitzigen Unternehmen zur Seite zu stehen. Sie war genauso verrückt wie er.
Und dabei sah sie umwerfend aus.
INK.
„Ink!“, rief Mort.
Evelyn wurde aus ihrer Oblomowerei gerissen.
„Wo?“, fragte sie. „Was?“, fügte sie hinzu.
Mort tastete in seiner Hosentasche nach einem kleinen Zettel. Oh wenn es nur die richtige Hose war…
Bingo. Nur gut dass er niemals, wirklich niemals seine Hosentaschen leerte.
Evelyn nahm verwundert den Papierstreifen entgegen, als Mort ihn aufgeregt aus seiner Hosentasche zog und ihn vor ihrem Gesicht schwenkte.
„Ein Weisheitsspruch?“, erkannte sie, kaum bemüht ihre Enttäuschung zu verbergen.
Mort nickte. „Lies.“, bat er sie.
„Du wirst in Kürze deinen besten Freund umbringen.“, las sie vor, wobei ihre Stimme beim letzten Wort rasch abklang.
Nun fiel Mort erst auf, wie recht der Glückskeks gehabt hatte.
Halb recht.
Sein bester Freund war angeblich tot, aber er hatte ihn doch nicht umgebracht?
Doch darauf wollte er nicht hinaus.
„Dreh ihn um.“, forderte er seine neue Gefährtin auf.
„Ink Inc.“, las diese erstaunt vor und kniff die Augen zusammen, um die darunter stehende Adresse zu entziffern.
„Ich kenne diese Adresse!“, rief sie schließlich. „Das ist hier in Prag!“
„Denkst du, da besteht eine Verbindung?“, fragte Mort nachdenklich.
„Es gibt nur einen Weg, das herauszufinden.“, antwortete Evelyn.
Das Gebäude der Ink Inc. in Prag ist ein moderner, gläserner Turm, der sich auffallend miserabel in das dunkle, gotische Stadtbild einfügt. Es hat immer noch seinen modernen Flair, obschon die Scheiben in all den Jahren von Wind, Wetter und dem erbitterten Kampf, als dessen Schauplatz das Gebäude dienen sollte, verdreckt und zerstört worden sind.
Mit mulmigem Gefühl starrte Mort die unheilvolle Glasfront in ihrem damaligen sterilen Glanz empor.
Fürwahr, das Gebäude machte einen seriösen Eindruck.
Dermaßen seriös, dass Mort darin Büros einer Bank oder luxuriöse Appartments vermutet hätte. Das flößte ihm nagenden Zweifel ein. Konnte es das richtige Gebäude sein? Solch ein Schuppen konnte doch kaum zur Herstellung von billigen Glückskeksen gedacht sein?
Vieles schien darauf hinzuweisen; die Adresse stimmte mit der auf der Rückseite seiner Weissagung überein, und die drei Lettern über dem massiven gläsernen Eingang entsprachen dem Namen der Klinik, den Mort aus Sidneys Akte wusste.
Zudem fehlten ihm nicht nur andere Anhaltspunkte, sondern auch jegliche Perspektive.
Wieder einmal sah er sich an einem Punkt angelangt, an dem es einfach nicht mehr schlimmer kommen konnte.
Er hatte nichts zu verlieren.
Da bemerkte er, dass er angelächelt wurde.
Befremdet drehte er den Kopf.
Richtig, das Mädchen.
Was war mit ihr los? Mort beschloss ihr gegenüber skeptisch zu bleiben.
Sie war hübsch, das war auffallend. Sie war interessant. Sie war intelligent, auf ihre spezielle Art.
Und dennoch war sie ausgesprochen nett zu ihm.
Da stimme etwas nicht. So etwas passierte nicht. Nicht ihm.
„Wie ist dein Plan?“, fragte Evelyn schließlich, nachdem Mort sie einige Sekunden lang ausdruckslos angestarrt hatte.
Er wirkte verwirrt – zuerst, weil er aus seinen Gedanken gerissen schien, und dann, weil Mort selbstverständlich keinen Plan auf Lager hatte. Verzweifelt rang er nach einer Antwort, die diesen Fakt verbergen konnte.
„Erstmal die Lage checken.“, schlug er vor.
Evelyn nickte. „Du hast keinen Plan.“, stellte sie fest.
Foto: -bast-
Morts ursprüngliche Idee, das Gebäude einfach zu betreten und wie ein unschuldiger Tourist die Empfangsdame auszufragen, konnte glücklicherweise durch Evelyn vor der Realisierung bewahrt werden.
„Wir stinken nach dem Abfall aus dieser Seitengasse, unsere Klamotten sind immer noch dreckig und etwas feucht von der Moldau, und ich bin mir nicht sicher woher der tote Fisch auf deinem Rucksack stammt. Der Punkt ist, so können wir da nicht rein.“
Das leuchtete Mort ein. Entmutigt ließ er sich auf den Boden sinken, den Rücken an einer Steinmauer gegenüber des geheimnisvollen Glasturms. Er warf den Fisch angewidert beiseite und wünschte sich einen Bart, an dem er hätte zupfen können.
„Sieh uns an.“, meinte er bedrückt, „Wir haben keine Möglichkeit, uns umzuziehen oder uns wenigstens zu waschen. Uns würden sie nichtmal bei McDonald’s reinlassen.“
Evelyn lächelte ihn an.
„Hiermit lassen sie uns überall rein.“, behauptete sie, als sie eine MasterCard World Signia hervorzog.
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So schön konnte das Leben sein.
Für einige Minuten vergaß Mort, weshalb er eigentlich hier war.
Er tauchte aus dem sprudelnden Wasser auf und bemerkte, dass es an der Tür klopfte.
„Brauchst du noch lange?“, vernahm er Evelyns Stimme.
Er stieg seufzend aus der Wanne und trocknete sich mit dem flauschigsten Handtuch, das er je gefühlt hatte. Mit dem dazupassenden Bademantel bekleidet öffnete er schließlich die Badezimmertür.
„Na endlich.“, sagte Evelyn, „Du weißt doch, dass wir nicht viel Zeit haben. Sobald meine Eltern merken, dass ich meine Kreditkarte in diesem Hotel verwendet habe, werden sie uns die Polizei auf den Hals schicken.“
„Tut mir leid.“, antwortete Mort. Obwohl er es ernst meinte, und der Gedanke daran, wieder eingesperrt zu werden ihm nicht im geringsten behagte, konnte er nicht aufhören, zufrieden zu grinsen. Er warf sich aufs Bett und blickte unentschlossen zwischen dem hohen Fenster, hinter dem die Dächer Prags ein malerisches Meer bildeten, und dem hochauflösenden Flachbildschirm auf der anderen Wand hin und her. Evelyn beobachtete seine kindliche Aufregung mit ihrem typischen Lächeln, scheinbar in Genugtuung, zur Verbesserung von Morts Stimmung beigetragen zu haben. Dieser fühlte ihren Blick auf sich rasten und bekam das Gefühl, etwas sagen zu müssen.
„Wieso tust du das?“, fragte er.
„Was meinst du?“, fragte sie zurück.
„Du weißt genau was ich meine. Ohne dich wäre ich in dieser Stadt aufgeschmissen.“, stellte er wahrheitsgemäß fest.
„Ach das.“, antwortete sie, ohne zu versuchen, seiner Feststellung zu widersprechen, „Ich schätze, du bist genau was ich gesucht habe.“
Morts Gesicht wurde heiß. „Wie meinst du das?“
„Mein Abenteuer. Das bist du.“, lachte Evelyn.
Gleich wurde sie wieder ernst (ihr Lachen verklang und nur das freundliche Lächeln blieb).
„Zieh dich an,“, drängte sie, „Wir müssen von hier verschwinden.“
„Was hast du vor?“, fragte Mort, während er sein Drecksgewand vom Boden aufsammelte.
„Shopping.“, erwiderte Eve strahlend.
Bild: Pat+
Für die meisten Menschen ist Mode nur zu einem gewissen Grade wichtig. Es ist somit normalerweise nicht üblich, das Thema zum Allgemeinwissen zu zählen. Gerade deswegen wusste Evelyn alles darüber.
Zweifellos kann jeder meiner Leser eine Sandale von einem Lederstiefel unterscheiden; viele kennen das Burberry-Muster und wissen, wie ein Dufflecoat aussieht. Und spätestens seit jener herrlichen Komödie mit Meryl Streep und Anne Hathaway kennt man auch Namen wie Prada und Louis Vuitton.
Doch Evelyn wusste viel mehr als das.
Etwa dass Parfum eine 10-Millionen-Dollar Industrie ist, die bis zu den alten Ägyptern zurückreicht, wo es bei religiösen Ritualen zum Einsatz kam. Die moderne Parfum-Ära begann 1921, als Coco Chanel’s Chanel No.5 auf den Markt kam (eine exotische Blumenmischung, entwickelt von Ernest Beaux). Oder die Tatsache, dass kein Couture-Designer jemals eine Linie in mehr als Größe 38 herausgebracht hat. Dass Männerhemden die Knöpfe rechts haben; Frauenblusen dagegen links.
Und dass Armbanduhren in Reklamen fast immer die Uhrzeit 10 nach 10 anzeigen.
Sie wusste all das über Mode, was ihr nicht wisst.
Dazu gehörte außerdem, wo man in Prag echte Couture-Mode zu kaufen bekam.
Sogar Mort war in gewisser Weise von dem Thema beeindruckt: er hatte stets angenommen, Designerklamotten wären über die Maßen auffällig, sodass man sie zu kaum einer Gelegenheit tragen konnte, die keinen Laufsteg involvierte. Als er jedoch von Eve neu eingekleidet wurde, bemerkte er, dass sich vieles – wenn auch nicht alles – von dem, was er bisher getragen hatte, im Wesentlichen nur in einem Aspekt unterschied: es war zehnmal so teuer.
Bild: Monique Hofland
Zum ersten Mal seit langem fühlte Mort sich wohl, als er in frischem Look die Hermés Paris-Boutique auf der Parizska verließ und Evelyn in ein nahe gelegenes Café folgte.
Nun strahlte er zwar äußerlich wie nie zuvor, doch innerlich fühlte er sich leer. Er fragte sich, ob es dieses Gefühl war, das die Leute beschrieben, wenn sie behaupteten, Geld mache nicht glücklich. Dann fiel ihm ein, dass er seit vierundzwanzig Stunden nichts gegessen hatte, und er verwarf seine erste Theorie wieder. Er bestellte sieben Schinken-Käse-Toasts, und dann noch mal zehn.
Evelyn sah ihm dabei zu und trank in derselben Zeit eine Tasse Cappuccino. Mort erstellte eine geistige Notiz, sich bei Gelegenheit bei ihr erkenntlich zu zeigen.
Als er wieder den Eindruck machte, Fragen beantworten zu können, kam Evelyn auf ihren Plan zurück: „Ich habe eine Idee. Sag mir, was du davon hältst.“
„Hätte ich doch das pinke Hemd nehmen sollen?“, fragte Mort abwesend.
„Nein, mauve steht dir hervorragend.“, winkte Eve ab. „Ich rede von unserem Plan.“
Mort überlegte eine Sekunde lang, dann verriet der Schatten, der sein Gesicht befiel, dass ihm seine wahnwitzige Mission wieder eingefallen war.
„Oh, gut.“, seufzte er. „Schieß los.“
Bild von desi.italy
Noch heute gilt Evelyns Plan als einer der besten, die jemals zu irgendeinem beliebigen Zweck entwickelt wurden.
Er war so durchdacht, dass für jede denkbare Konstellation im Phasenraum des Ink Inc.-Gebäudes eine eigene Lösung gefunden wurde. Vom Hauptplan spalteten sich hunderte Unterpläne ab, für-den-Fall-dass-Pläne, die untereinander hochgradig komplex verwoben waren und ineinander griffen wie ein gut geöltes Perpetuum Mobile.
Das Problem mit diesem Plan war, dass er alles andere als einfach war. Und wenn jemand behauptet, einfache Pläne wären die besten, so hätte er zumindest in dem Fall recht, dass Mort darin eine Rolle spielen sollte.
Kurz nachdem Evelyn begonnen hatte, schwirrte Mort der Kopf dergestalt, dass er sie um eine kurze Pause bat und begann, auf einer Serviette mitzuschreiben.
Siebenundzwanzig Servietten später stellte er sachlich fest: „Das merke ich mir nie.“
Evelyn seufzte. Sie hatte vergessen, wie schwierig es für andere zu sein schien, eine beliebig lange Reihe unwichtiger Informationen auswendig zu lernen.
Doch auch hierfür hatte sie einen Plan, den sie in den Hauptplan eingliederte.
So gut war Evelyns Plan.
Bild: todmaffin
Die Sonne war im Begriff, unterzugehen, und ließ das Gebäude rötlich erstrahlen, als Evelyn und Mort zum zweiten Mal vor seinen Eingang traten.
„Kann es losgehen?“, fragte Eve.
Mort nickte.
„Nummer eins!“, sagte Eve.
Mort hob die Serviette und begann, ganz oben, neben der kleinen 1. zu lesen.
Gebäude betreten. Nach Augenschein das Interieur beurteilen. Jegliche Art von Informationen bezüglich des Zwecks des Gebäudes beachten. stand da.
Alles klar soweit. Mort holte tief Luft und öffnete Evelyn die schwere Glastür.
Die Eingangshalle mutete genauso modern, gläsern und hoch an, wie die Außenfassade. Morts Blick schweifte weit umher. Das ganze machte einen sterilen Eindruck und war riesig. Ein schmaler, rätselhaft weißer Teppich führte von der Tür geradewegs zu einer runden Theke, hinter der weitere glänzende Türen sehr den Anschein erweckten, Lifttüren zu sein. An der Theke stand eine Dame in Weiß, offenbar vertieft ins Tippen auf einer Schreibmaschine, deren klicken in der hohen Halle laut widerhallte.
Nebst alledem sowie zwei an sich großen, im Verhältnis zum Raum jedoch lächerlich kleinen Topfpflanzen konnte Mort dort, wie er erstaunt bemerkte, absolut gar nichts erblicken.
Bild: code poet
Evelyn analysierte den Raum ebenso und schätzte seinen Informationsgehalt auf Null. Nichts mit Broschüren, Plakaten oder Bildschirmen mit Infomercials.
„Drei.“, flüsterte sie Mort daher zu.
Mort las auf seiner Serviette nach.
3. Wenn keine Informationen auf unauffällige Weise zu entnehmen, nach Personen Ausschau halten. Kontaktaufnahme, sofern die Person(en) nicht erzürnt über Eindringen wirken und/oder Waffen tragen.
Die Dame in Weiß war Mort zwar unheimlich, doch er hatte keinen Grund zur Annahme, dass sie erzürnen oder Waffen tragen könnte, und so schritt er neben Eve den weißen Teppich entlang, bis sie an der – dazu passend farblosen – Theke ankamen.
„Sieben“, murmelte sie, als die Dame vor ihnen von der Schreibmaschine aufblickte.
7. Ich rede, du hörst zu.
Dieser Teil des Plans sagte Mort sehr zu. Reden war nicht sein Ding.
Bild: digiart2001
„Good evening miss…“
Evelyn schielte nach dem Namensschild auf der weißen Bluse der Empfangsdame, doch da stand nur eine Zahl.
„…two hundred fourty-three.“
243 blickte von ihrer Schreibmaschine auf, tippte jedoch weiter.
„Khello,“, sagte sie, immer noch tippend. „Khow can I khelp you?“
„My colleague and I are doing a paper on the most important Prague-based firms for our studies. With your kind permission we would like to include your business.“
„Yeees.“, meinte die Dame dazu ausdruckslos, wobei ihre Finger noch immer geräuschvoll auf den Tasten der Schreibmaschine umhersprangen.
„Splendid“, sagte Evelyn. „Would you mind answering a few questions for us?“
Der Ausdruck der Dame veränderte sich nicht, doch sie hörte auf zu tippen. Sie drehte ein seltsames weißes Rohr, das aus dem Schreibtisch ragte, zu ihrem Mund, und sprach ein paar kurze seltsame Worte. Das Tippen verhallte langsam im Hintergrund.
„Was hat sie gesagt?“, flüsterte Mort Evelyn nervös zu.
„Keine Ahnung“, gab sie zu. „Das war nicht tschechisch.“
Das Tippen setzte wieder ein, bevor das Geräusch ganz verklungen war. Und da 243 kein weiteres Kommentar abgab, warteten die beiden, obschon es Mort irgendwie nach weglaufen zumute war.
Bild: hugovk
Eine helle Glocke mischte sich in das monotone Tippgeräusch, offenbar um die Ankunft des Aufzugs anzukündigen, dessen Türen langsam aufschwangen. Zum Vorschein kam eine weitere weiß gekleidete Dame, die jedoch im Unterschied zu jener am Empfang freundlich lächelte.
„Welcome to Ink Inc.“, sagte sie strahlend, als sie auf Mort und Evelyn zukam und ihnen die Hand zur Begrüßung entgegenstreckte. Auf ihrem Namensschild prangte die Nummer 4.
„It is a pleasure to be here.“, erwiderte Evelyn nicht minder strahlend.
„Hi“, sagte Mort, da er sich nun auch zu einer Begrüßung gezwungen sah.
„I understand you are interested in our firm?“, fragte die Dame.
Evelyn blickte zu Evelyn, die bestätigend nickte, und fing auch an.
„Let me show you around.“, sagte die Dame freundlich. „Follow me.“
Sie stiegen in den Lift, und als die Türen sich schlossen und das Gerät sich langsam in Bewegung setzte, wurde das Tippgeräusch immer leiser. Evelyn entspannte sich, doch Mort konnte sein unheilvolles Gefühl nicht abschütteln.
Bild: crazyegg95
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