Archiv für die Kategorie ‘Mort’
Je schneller die Seifenkiste an Geschwindigkeit gewann, umso mehr Gedanken machte sich Mort darüber, wie er dieselbe wieder verringern konnte, i.e. bremsen. Vor allem deswegen, weil vor ihm die Straße langsam flacher wurde, und sich daraufhin, wie er wusste, abrupt wieder ins Tal stürzte. Ein gewaltiger Hügel, der die Kiste nach seinen Berechnungen recht weit [...]
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Mort wusste, dass er diesen Zug nicht verpassen durfte. Es grenzte an ein Wunder, dass die Betreuer aus der Anstalt ihn noch nicht besucht hatten (in der Tat, wie ihr später erfahren werdet, falls ihr meinen grauenvollen Erzählungen wirklich so lange folgen wollt). Als er das Haus durch die Garage verlassen wollte, kam ihm eine [...]
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Seine Immunität gegen jede Logik erlaubte es ihm, noch einmal sein Zuhause zu besuchen, nachdem er am Frachtenbahnhof unbemerkt und halbwegs unbeschädigt vom Kohlwaggon geklettert war. Es war bereits tiefe Nacht, und so schlich er leise durch das Haus, ohne seine Eltern zu wecken. Er schnappte sich die Kreditkarte seines Vaters und etwas Bargeld. In [...]
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Mort hechtete auf den vorbeifahrenden Zug. Ich muss euch hier, aus Höflichkeit und aus rechtlichen Gründen, auf die Gefahr und Dummheit dieses Sprungs aufmerksam machen. Die Oberleitung eines Zugs steht unter einer ständigen Spannung von 15.000 Volt. Man muss die Leitung nicht einmal berühren; die Spannung springt einfach über. Klettert auf einen Eisenbahnwagon, und ihr [...]
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Weihnachten schleifte soeben den bewusstlosen Kelcey zum Ausgang, er erreichte ihn – da rammte ihn einer der Wärter aus Morts Blickfeld. “Weihnachten!", schrie er entsetzt, und stolperte über eine Wurzel. Es war eine steil abfallende Wiese, früher mal ein lichter Wald, von dem noch einige Baumstümpfe sowie diese verhängnisvolle Wurzel zeugten, wegen der Mort jetzt [...]
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Das folgende Geräusch war lauter als erwartet und sehr unangenehm. Mort musste sich zur Wand setzen. Entsetzt blickte er gleich darauf wieder auf, als er wider erwarten noch einmal Eugenes seltsames Lachen vernahm. “Oh mein Gott!", rief Horace. “Er hat Kelcey erschlagen!" Mort war viel zu geschockt, um noch irgend etwas zu verstehen. So bekam [...]
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Mort begann verlegen zu stammeln, denn er hatte den Pudding für unwichtig befunden und in seiner Eile im Zimmer zurückgelassen. “Sag ich ja", meinte Horace, “wir können ihm nicht vertrauen. Und was jetzt?" “Nur die Ruhe, Upupa wird uns auch so finden…" Weihnachten winkte in Richtung eines Fensters, hinter dem Mort jemanden zurückwinken sah. Kurz [...]
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“Mort!", rief jemand. “Weihnachten?", fragte Mort. “Eugene!", rief jemand, der Eugene erkannte, der im selben Moment aus einem gegenüberliegenden Gang auftauchte. “Alarm!", rief Eugene. “Horace!", rief jemand, dem Horace versehentlich auf den Fuß getreten war. Drei der Männer stürzten auf Eugene zu, um ihn aufzuhalten, bevor er jemanden warnen konnte. Mort zuckte zusammen, als sie [...]
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Schweißgebadet blickte Mort auf die Uhr in der Eingangshalle. Dreimal war er von einer Seite des Gebäudes auf die andere gerannt, bevor er feststellte, dass er sich nicht im richtigen Stockwerk befand. Dabei hatte er stets auf der Hut sein müssen, nicht von einer der apathischen Krankenschwestern bemerkt zu werden. Die Uhr zeigte zwei Minuten [...]
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“Na toll, ich hab’s gewusst. Du bist vollkommen wahnsinnig. Kein Wunder, dass sie dich eingesperrt haben." Mort erschrak, denn er war eingeschlafen und hatte niemanden bemerkt. Um genau zu sein, bemerkte er auch jetzt noch niemanden, als er schlaftrunken und zugleich schweißnass vor Schreck in die Dunkelheit des Raumes starrte. “Du hättest niemandem von mir [...]
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Mort war sehr verwirrt, noch viel mehr als sonst. Er steckte die Serviette in die Tasche seines grauen Kittels und aß sein überraschendes Kartoffelpüree (diplomatisch ausgedrückt. Fragt mich nicht, wie überraschend) “Ich muss wieder an die Arbeit.", sagte Horace, “Enttäusche uns nicht heute Abend." Mort kehrte zurück in Weihnachtens Zimmer, um den Plan noch einmal [...]
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Um sechs Uhr erinnerte sich Mort daran, dass nun laut der Schwester das Abendessen serviert wurde, und machte sich wieder auf den Weg, um den Speißesaal zu finden. Es hätte sich ruhig jemand um ihn kümmern können, fand Mort. An solch einem seltsamen, lieblosen Ort war er noch nie gewesen. Außer… nein, nicht einmal mit [...]
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Das war also so wichtig und geheim. Ließ jedoch mindestens so viele Fragen offen wie zuvor. Vielleicht sollte er besser warten, bis Weihnachten zurückkehrte. Was, wenn der wirre Typ recht hatte? Konnte es sein, dass Sidney noch am Leben war? Wenn der Inhalt dieses Schrankes der einzige Weg war, hier rauszukommen und Morts besten Freund [...]
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Denn genau in diesem Augenblick öffnete sich die Tür zum Zimmer und Weihnachten schlug die Schranktür zu. Eine der Schwestern kam herein (eventuell dieselbe von vorher) und bat Weihnachten, mitzukommen. Sie schenkte Mort keine Beachtung. Der alte Mann warf dem Jungen einen verzweifelten Blick zu und folgte ihr hinaus. Die Tür fiel wieder zu und [...]
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“Lass uns woanders weiterreden.", meinte Weihnachten, “Eugene hat Angst vor Gesprächen." Beim hinausgehen flüsterte er Mort zu, “Er ist der einzige hier, der wirklich… nicht ganz… du weißt schon. Außerdem vertraut er den Ärzten hier. Eine grobe Torheit. Das heißt, er würde uns sofort verraten." Inzwischen sprach er in normaler Lautstärke, da sie sich nun [...]
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“Harold Mortison.", sagte die Schwester. “So heiße ich." “Das hier ist dein Zimmer." Mort sagte nichts. “Abendessen gibt es um sechs und um sieben. Danach gibt es einen Film in Aufenthaltsraum 1, Brettspiele in Aufenthaltsraum 2 und imaginäres Turmspringen im Hof. Ich bin Rosa Layne. Dein Zimmergenosse heißt Eugene Brodsky. Wenn du etwas möchtest, wende [...]
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Graue Kittel. Kleine Pillen ohne Wirkung. Ausdruckslose Gesichter auf Seiten der Ärzte wie der Insassen. Es war schrecklich, fand Mort. Er hielt es nicht mehr aus. Wenn er niemanden von seiner geistigen Gesundheit überzeugen konnte, musste er abhauen. Er kam nicht weit, da eine aufmerksame Glastür seine Flucht verhindern konnte. “Es ist das beste für [...]
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Mit Sicherheit haben einige meiner Leser schon des öfteren in Filmen das Innenleben einer psychiatrischen Anstalt miterleben können. Das meiste davon ist vermutlich frei erfunden und außerdem Blödsinn; natürlich werdet ihr dort kaum Irre finden, die sich für einen Pepsiautomaten halten oder Stundenlang auf dem Kopf stehen und kein Wort sagen. Keinen Michael Jackson, keiner, [...]
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Plötzlich begann Mort zu grinsen. “Also kann ich es doch", flüsterte er zu sich selbst. Im selben Moment hörte Dr. Bramarbas auf zu grinsen und sah zuerst den lachenden Jungen verständnislos an, und dann, völlig perplex, den Ordner, der ohne irgendeine sichtbare Einwirkung seine Hand verließ und langsam davonschwebte. Mort schnappte zuerst danach. Er war [...]
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Doch Mort kam nie dazu, die Akte zu Ende zu lesen. Die Tür knallte hinter ihm ins Schloss. “Mort", ertönte die Stimme von Dr. Bramarbas, noch bevor Mort sich umdrehen konnte. “Bist du vollkommen durch… äh… hast du nicht mehr alle… nein, äh…" Es fiel ihm sichtlich schwer, der gelassene, kompetente Psychiater zu bleiben. “Was [...]
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Der Raum war klein, staubig und dunkel, und natürlich voller Akten irgendwelcher Patienten. (Zu Morts Jugendzeit waren Computer nämlich keineswegs etwas, das jedes Durchschnittsunternehmen besaß; die Akten, Daten, Bestellungen, Rechnungen, die Lieferungs-, Empfangs- und Zahlungsbestätigungen, die Kontoauszüge, Rezepte, Fragebögen, Geheimbotschaften und Drohbriefe wurden damals noch per Hand geschrieben und irgendwo aufbewahrt, oder verbrannt.) Mort wusste, [...]
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Vorsichtig, doch blitzschnell angelte er mit seinem Arm den Stifthalter vom Schreibtisch. Daraufhin hörte er ein sehr verwundertes Geräusch, das in der Schrift schwerlich wiederzugeben ist. (So in etwa “Hnjwaaa?") Und bevor Mort überhaupt realisieren konnte, dass sein Plan soweit aufgegangen war, bückte sich die Sekretärin, um die Stifte wieder einzusammeln. Dabei saß er jedoch [...]
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Kurzerhand entschloss Mort sich nach einer Therapiestunde, noch länger zu bleiben. Es interessierte ihn brennend, die Notizen von Doktor Bramarbas zu lesen. Zuerst verabschiedete er sich von der Sekretärin wie immer, verließ die Ordination, und schlich kurz darauf direkt unter ihrem Empfangstisch auf Knien wieder hinein. Dort blieb er in ihrem toten Winkel sitzen. Doch [...]
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In jedem Beruf kann man unterscheiden, ob ihn jemand gut oder schlecht ausübt. Ein Briefträger zum Beispiel, der ständig zu spät kommt, unfreundlich ist und den Hund tritt wäre als ein schlechter Briefträger zu bezeichnen. Hingegen einen Briefträger, der immer pünktlich ist, höflich grüßt und sich vom Hund beißen lässt, kann man einen guten Briefträger [...]
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Die Therapie fuhr eine Zeitlang fort, ohne dass Mort glaubte, eine Verbesserung in seiner Situation zu bemerken. Er wusste sowieso nicht, wieso er noch zu Dr. Bramarbas gehen musste; er hatte nicht vor, sich noch mehr Verrücktheiten hinzugeben (außerdem war ihm die Sache mit dem Fass immer logisch vorgekommen), und der Mann in seinem Daumen, [...]
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Therapie war nicht annähernd so cool wie er es sich vorgestellt hatte. Der Psychiater hielt es für unnotwendig, ihn Tintenflecke analysieren zu lassen, und hypnotisierte ihn nur einmal kurz gegen zwanzig Euro Aufpreis. Die meißte Zeit stellte er jedoch nur langweilige Fragen und zwang Mort dazu, sich einen Garten mit einem bunten Berg vorzustellen. Der [...]
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Morts Eltern hielten es nun doch für angebracht, einen Experten zurate zu ziehen. “Ein Kopfdoktor?", fragte Mort mit großen Augen. “Der Ausdruck “Psychotherapeut" wäre wohl ein zu präferierender. Jurare in verba magistri, mein Sohn.", sagte sein Vater leise. “Wir glauben, dass du für dich selbst (und für andere) zu einer Gefahr werden könntest, wenn du [...]
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Rachitisch zu Rade verließ er, von seinen Eltern unbemerkt, die Garage. Er hatte wieder keinen Schlaf gefunden, also war er früh aufgestanden, und es dämmerte gerade erst, als er die Auffahrt hinunter rollte. Auch von den Nachbarn sah niemand, wie der Junge mit dem Fass am Gepäckträger nach links abbog und die müden Augen geblendet [...]
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