Gepostet von Luca Hammer am
24.12.2007
Du.
Zugedröhnt mit Gedanken an dich sitze ich in der Ecke. Es gibt niemanden, mit dem ich reden will. Schmerzen.
Ich spiele die Erinnerung ab. Meine Suche nach dir. Die Einbildung dich gefunden zu haben. Vor acht Jahren. Viel Zeit. Und wieder und dann wieder. Immer wieder die Enttäuschung. Du warst es nicht. Ich habe dich in Personen gedacht, die nicht einmal annähernd du waren. Es tut mir Leid.
Ich kann mich noch genau an die Anfänge erinnern. Mein erster Brief an dich. Du hast ihn nie erhalten. Stundenlang bin ich am Schreibtisch gesessen, durchs Zimmer geirrt. Ein paar Sätze haben es auf das Blatt geschafft bevor ich es zerknüllt und in die Ecke geworfen habe. Dan sprang ich auf, wütend auf mich selbst, auf die Welt. Warum muss es so schwer sei? Ich habe mich dazu gezwungen. Mich in Trance versetzt. Sogar vergessen zu erklären. Du wurdest in meine Welt gesaugt und es war für mich selbstverständlich, dass du verstehst. So viel Träumerei. Später wurde es mir vor den Kopf geschlagen. Ich wurde hinauskatapultiert in die Realität. Jahrelang trug ich einen Zettel von ihr, welche ich für dich hielt in meiner Geldtasche.
Verdammt, es war falsch. Ich hätte es früher erkennen müssen. Doch es war wichtig für mich. All die Tränen. Erst dadurch habe ich zu lieben gelernt. Eigentlich müsste ich ihr dankbar sein. Nun bin ich ihr fremd. Viele Jahre, nur kurz unterbrochen und dann das plötzliche Ende.
Auch das dazwischen ist noch greifbar. Die warme Hand, während wir im Schnee saßen und das Feuerwerk betrachteten. Das warst du. Viel zu kurz. Ich kann mich nur an die eine Nacht erinnern. Kälte, die uns nichts ausmachte. Aneinandergelehnt auf dem Hang. Wir vergaßen die Welt. Nur noch wir. Das Bild hat sich eingebrannt. Bis auf den Zeitpunkt, wo es von ihr verwischt wurde. Als ich erfuhr, dass sie auch nicht du war. Ich flüchtete.
Zurück in die Vergangenheit. Geklammert an etwas, das es nie gab und nie geben sollte. Für mich war es da. Irgendwo in der Tiefe verborgen und ich müsste es nur wecken. Ein unmögliches Abenteuer. Täuschung als Taktik zur Vertrautheit. Schwachsinn, wie jeder erkennt. Ich nicht.
Das abrupte Ende, welches nur ich mitbekam. Niemand wusste, dass ich nie abgeschlossen hatte. Dann war es klar. Auch für mich. Zwei Wochen. Wunderschön. Dann das erwachen. Das Leben ist anders. Irgendwann scheint das Ich durch, auch wenn man den Menschen noch so schön modelliert hat. Leere.
Es war vorbei und ich kehrte nirgendwohin zurück. Leere. Andere Dinge, die in den Mittelpunkt rückten. Doch dahinter Leere. Der lange Fall. Plötzlich griff ich um mich. Nicht wahllos, aber doch ohne großen Versuch zu erkennen.
Wie lange noch?
Du fehlst mir.
Gepostet von Luca Hammer am
23.12.2007
Abkühlung
Mir ist warm. Heiß. Nur noch die Boxershorts und eine alte Jogginghose. Draußen liegt Schnee.
Das Leben. Nein, das ist der falsche Augenblick dafür. Es geht weiter. Ich weiß es. Nur ein kleiner Ausschlag. Konstante Kurve zurück. Nach oben. Wann habe ich das letzte Mal zurück gesehen? Es wird wieder Zeit. Ich muss mein Ich wieder bändigen und ihm sagen, warum wir das machen. Doch die Gründe wollen nicht. Sie haben sich versteckt. Ich muss sie suchen. Hinter den schweren Gedanken.
Ein paar Gläser Wasser. Eiskalt. Die Heizung ist aus. Nach jedem dritten Satz muss ich meine Hände abwischen.
Zuviel in den Kopf gepresst. Muss mich daran gewöhnen. Es wird nicht einfacher werden. Das will ich auch nicht. Nur manche Dinge würden besser weg bleiben. Doch das geht nicht. Sie sind da und ziehen mich runter. Es tut weh. Der Zeitpunkt ist schlecht. Er ist es immer. Ein letztes Mal alles zusammenschieben. Verpacken und wegwerfen. Übrig bleibt eine kleine Liste, damit man mich nicht mehr daran erinnern kann.
Ein Eis? Oder lieber kalt duschen? Ein paar Minuten in den Garten.
Der Kopf drückt. Ordnen. Erst wenn mir klar ist, wo ich stehe, was ich will, kann ich weitermachen.
Gepostet von Luca Hammer am
23.12.2007
Vertextung
Ich bin einsam, wenn ich schreibe. Alleine. Es geht nicht anders. Vielleicht ist es auch der Grund. Manchmal spiegelt es sich wieder.
Ich lasse euch teilhaben an meiner Stille. Man kann die Gedanken hören. Wann ich das letzte Mal einen Text geschrieben habe, ohne an euch zu denken, kann ich mich nicht erinnern. Einige Texte wurden mit einer kleinen Zielgruppe vor Augen geschrieben. Manchmal für eine einzige Person. Einmal gab es einen Text, den ich für den Blog schrieb und dann als Mail verschickte. Er ist noch immer als Entwurf im Backend vorhanden.
Ich höre zum schreiben meist Musik. Oft unpassend. Manchmal werde ich davon beeinflusst. Teilweise setze ich sie gezielt ein um meine Stimmung zu verstärken oder zu ändern. Wenn sie mir bei Zufallswiedergabe nicht gefällt, stockt mein Schreibfluss und ich schalte weiter. Je öfter dies passiert, desto holpriger wirken die Texte. Es passiert auch so, dass ich nicht mehr weiterweiß, weil meine Gedanken einfach woanders hin sind. Meist bedeutet dies das Ende für den Text. Nur selten schreibe ich zu einem späteren Zeitpunkt weiter.
Es gibt einen, ich glaube, vierteiligen Text, den ich unter vier Mal geschrieben habe. Die einzelnen Teile erscheinen mir total unterschiedlich und in sich abgeschlossen. Was ich damit sagen will, ist euch nicht klar. Mir auch nicht, aber meine Finger waren der Meinung es schreiben zu müssen. Hin und wieder nehme ich nicht mehr wahr, was aus mir rauskommt. Interessiert lese ich die Texte danach selbst.
Wörter sind ein weitere Holperstein. Wenn ich versehentlich etwas wiederhole und kein Synonym finde. Eine Zeit lang habe ich es mit Synonymwörterbüchern im Internet versucht, was aber nicht half. Es verlängerte nur die Schreibpause. Vielleicht lege ich mir einmal ein richtiges zu. Allerdings bin ich niemand, der sich hinsetzt und immer wieder etwas nachschlägt. Manchmal mache ich solche Dinge am Ende, wenn ich es mir gemerkt habe.
Bisher habe ich ungern über das Schreiben geschrieben. Wenn ich mir den Beginn des Textes ansehe, habe ich es auch heute nicht gezielt vor gehabt. Manche Texte entwickeln sich einfach während des Schreibens, andere trage ich länger mit mir herum. Ich vergesse sie und irgendwann kommen sie zurück. Da fällt mir ein, dass Pia einmal über dieses Thema geschrieben hat. Vielleicht suche ich noch den Link und füge ihn hier ein.
Ich kann mich hinsetzen und drauf los tippen. Oft komme ich dann in den sogenannten Flow. Obwohl ich den Begriff nun nicht missbrauchen will. Flow ist etwas wirklich tolles und oft ist in dem Zusammenhang übertrieben. Ich sehe mich um und baue Dinge ein, die ich vor mir sehe oder sie erinnern mich an etwas.
Doch diese reinen Computertexte gibt es noch gar nicht so lang. Ein paar Monate, aber begonnen hat es erst als ich den Laptop bekam. Davor wurde alles mit Hand geschrieben. Heute geschieht das nur noch, wenn ich meinen Computer nicht zur Hand habe. Beispielsweise auf Partys oder unterwegs.
Es ist gewollt, dass man nicht mehr zwischen Realität und meiner Fantasie unterscheiden kann. Es ist ein Art Selbstschutz und ermöglicht mir mehr zu schreiben. Teilweise verpacke ich die Dinge ein zweites Mal, damit ihr nur noch eine ungefähre Form erkennen könnt, wenn überhaupt.
Noch Fragen?
Gepostet von Luca Hammer am
22.12.2007
Alfred und die Steuern
“Guten Morgen!”, kurz blicke ich auf. Ihre Augen sind Zeugen einer langen Nacht, ein verspieltes Lächeln. Mein Kopf senkt sich wieder auf die Unterlagen, die vor mir auf dem Tisch verbreitet sind. Zahlen, die die Welt bedeuten. Ich halte nicht viel davon, aber in gewissen Dingen muss man sich anpassen um nicht hinausgeworfen zu werden. Ich solle mir endlich einen Steuerberater zulegen meinte ein Freund letzte Woche. Das geht nicht so schnell. Ich bin schon seit Jahren auf der Suche nach einer Person, der ich genug Vertrauen schenke. Jemanden, dem man so wichtige Dinge überlassen kann ohne zu grübeln, ob derjenige es besser macht als man selbst. Doch mir fehlt die Zeit. Zum suchen und zum selbst machen.
Letztens habe ich Alfred in der Stadt getroffen. Er klagte, dass der Staat ihm den letzten Groschen aus der Tasche zieht. Auf meine Bemerkung, dass es Cent heißen müsste, schüttelte er nur den Kopf und nahm einen großen Schluck von seinem Bier. Alfred ist Angestellter bei einer großen Firma. Was er dort genau macht habe ich noch nicht herausgefunden, interessiert mich auch nicht besonders. Auf die Frage hin, erzählt er immer von der Komplexität seiner Aufgaben, dass er eine wichtige Funktion für seine Abteilung innen habe und ohne ihm der Laden zusammenbrechen würde. Ich nicke.
Wieder mich anschauend versucht er sein Problem zu schildern. “Zu Beginn hat ma der Chef a tolles Einstiegsgehalt gsagt. Da woar i natürlich sofort dabei. Hab ja grad mei Studium fertig gmacht und davor nua klane Jobs und zwoa Praktikas gmacht. Bei so aner schönen Zahl hättest du sicher a nit na gsagt.” Ich verziehe leicht die Mundwinkel, versuche freundlich zu schauen. “Dann, als i des erste Gehalt überwiesen bekam, sah ich, dass der Staat ma fast die Hälfte abzogen hat. Als ich mich erkundigte, bin ja ka Dummer, habns mir an Zettel geben, wo obn gstanden is, wofür ich das Geld alles weggebn muas. Des solltesch da amal anschauen. Was i alles finanzieren muas. A Wahnsinn! Doch des is ja no nit alles. Wennd jetzt einkafen geasch, dann muasch scho wieder draufzahlen. Meist zwanzig Prozent. Da is es ja logisch, dass nix übrig bleibt, wenn ma zwoa Drittel wieder weggebn muas. Lei damit die Bürger glaben, dass es ihnen guat geht.” Nach einem weitern Kopfschütteln, beschäftigt er sich wieder mit seine Bier.
Ein paar Minuten später kam mein Freund und ich ließ Alfred bei der Bar sitzen. Der wendete sich schon seinem nächsten Gesprächspartner zu.
Mein Blick schweift wieder über den Tisch. Bei einem Haufen aus Rechnungen bleibe ich hängen. Mit jeder ist eine Erinnerung verknüpft. Doch ich habe keine Zeit, sie mir anzuschauen. Vielleicht im nächsten Jahr.
Gepostet von Luca Hammer am
17.12.2007
Lass das!
Du machst es nur noch schlimmer. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Fühle mich leer. Machtlos.
Ihr Körper treibt ab. Getragen vom Wasser. Ihr Gesicht ist blutunterlaufen. Nur ein Schuh. Den anderen muss sie verloren haben. Irgendwo auf dem Weg zum See. Ich renne den Steg entlang, knie mich nieder. Eine Hand berührt das Wasser. Eiskalt. Mit einem Ruck reißt mich der Alltag zurück, als ich hineingleiten will. Bald kann ich sie nicht mehr sehen. Ich habe Angst vor dem Moment, wo meine Augen über die Oberfläche rasen und nur noch spiegelndes Schwarz finden.
Ich ziehe das Holzstück aus meinem Fuß. Tiefrot rinnt das Blut über meine Hose. Vermischt sich mit dem Schlamm, um mich zu erinnern woher ich komme. Kein Schmerz. Nicht jetzt. Mit jedem Schritt das Gefühl der berstenden Knochen. Die Äste schlagen gegen meinen Körper, in mein Gesicht. Immer dichter stehen die Bäume aneinander. Ich versuche nicht zu fallen, strauchle. Für Sekunden verharre ich an einen Stamm gelehnt. Die Hand fährt über die raue Rinde. Die groben Strukturen. Sie erinnern mich an sie. Mit welch feiner Schrift sie mir geschrieben hat. Auf hauchdünnem Papier. Ich soll ihr nicht folgen. Mir keine Sorgen machen.
Vollkommen still liegt das Wasser unter dem See. Ich drehe mich auf den Rücken. Sterne. Ich beginne zu suchen. Oft hat sie mir davon erzählt. Von ihrem Stern. Sie hat ihn mir gezeigt. Gemeinsam haben wir stundenlang in dem Himmel gestarrt. Wir brauchten keine Worte. Die reine Anwesenheit des anderen machte uns glücklich. Ich sehe wieder ihr Lächeln. War es echt?
Genüsslich schleckt sie den Löffel ab. Vanilleeis mit frischen Erdbeeren. Ich mache eine Bemerkung zu ihrer Figur. Sie lacht. Ich rede weiter. Sie lacht weiter. Ein paar Sätze lang verziehe ich keine Miene. Dann muss ich auch lachen. Tränen laufen über unsere Wangen. Nur noch einzelne Worte, die wir uns zuwerfen. Die Sätze dazu formen sich im Kopf.
Ich lass die Hand ins Wasser hängen. Die Augen geschlossen. Kalte Nachtluft strömt durch meine Lunge.

