Gepostet von Luca Hammer am
06.01.2008
Club of Scheiße Tanzen @ Weekender
New And Classic Sounds From The London Scene im einzig ernst zu nehmenden Club der Stadt. Zuvor waren wir in einem Irish Pub. Ein paar Runden Cider für die trinkwilligen und das eine oder andere Gespräch für mich. Es geht ums Studium, Zivildienst und die Zukunft. Wieder einmal.
Im eigenwilligen Tanzstil bewege ich mich durch den Raum. Die Musik brummt in meinen Magen, lässt mich lächeln. Ich finde nicht, dass man gut dazu tanzen kann, Spaß habe ich dennoch. Rund um mich wippen die Leute ein bisschen hin und her, vor und zurück. Mir ist das zu wenig. Ich muss meinen ganze Körper bewegen.
Eine Hand auf meiner Schulter. Ein bekanntes Gesicht erwartend drehe ich mich um. Sie steht vor mir, ich kenne sie nicht. Irgendetwas will sie mir sagen, ich beuge mich hinunter. Es tut ihr Leid, aber mein Hemd passe nicht zum Stil und meine Tanzbewegungen genauso wenig. Sie schaut zu ihrer Freundin. Folglich sei alles in Ordnung.
Viele Möglichkeiten, zwei fallen mir ein. Dann zeig mir, wie es richtig geht oder das war mein Ziel. Nach einem weiteren Blick in ihr Gesicht entscheide ich mich für zweiteres. Sie scheint nicht zu verstehen, geht wieder zu ihrer Freundin. Ich drehe mich um und tanze weiter.
Gepostet von Luca Hammer am
04.01.2008
Rollenänderung
Ich hänge mich gerne an Leute und lebe bei ihnen mit. Ein eigenes Leben ist mir zu aufwändig.
Früher hat das fast immer funktioniert. Ich hatte genug Freunde, die viele Sachen gemacht haben und die oft froh waren, wenn ich mitgemacht habe. Das ging vom einfachen ausgehen bis hin zu umständlichen Beziehungen. Ich blieb immer im Hintergrund. Beeinflusste manche Entscheidung. Versuchte die Leute dazu zu bewegen, dass sie machen, was gut für sie ist oder was sie wirklich wollen. Das ist nicht immer einfach gewesen, aber ich denke, dass ich es ganz gut hinbekommen habe. Ich war Berater, Informant, Taxi, Security, Ausstatter und Bank.
Heute wird es immer schwieriger. Ich bin in einer neuen Stadt. Die Leute um mich haben andere gleiche Interessen mit mir. Mir fehlen Personen, an die ich nah genug herankomme um mitzuleben. Dafür gibt es mehrere Gründe.
Langsam muss ich beginnen selbst zu leben. Ich muss aus der schiebenden Rolle in die ziehende übergehen. Es stehen keine Leute mehr vor mir. Höchstens neben oder hinter mir. Ich würde es auch gar nicht wollen. Ich will langsam raus aus dem Windschatten, weil ich das Gefühl habe mehr aus mir machen zu können. Endlich habe ich auch die Möglichkeit dazu. Ich kann mich entfalten, doch dazu muss ich mich wieder selbst definieren. Mein altes Selbstbild eignet sich nicht für die große Welt.
Gepostet von Luca Hammer am
03.01.2008
Badezimmer
Die Musik dröhnt in deinen Ohren. Du sitzt schon wieder auf dem kalten Badezimmerboden. Wie wäre es, wenn du einmal aufstehen würdest. Ständig lässt du dich fallen, wartest darauf, dass dich jemand an der Hand nimmt und zurück ins Leben führt. Es wird nicht immer jemanden geben, der dies macht und sie werden dir nicht mehr helfen, wenn du nicht einmal zeigst, dass du auch einmal selbst ein paar Schritte machen kannst.
Ich warte bis die Dusche warm ist. Die Musik in meinem Zimmer ist halb aufgedreht, das reicht bereits, dass alle anderen Geräusche verschwinden. Ich setze mich auf den Boden, lege meinen Kopf zurück und lass schau mir einen Film des Unterbewusstseins an. Er ist traurig, doch gibt mir Kraft weiter zu machen. Aus den Fehlern lernt man, und Narben sind lediglich widerstandsfähigere Haut. Schön sehen sie nicht aus, aber kein Mensch ist perfekt.
Du blickst auf, siehst wie der Spiegle langsam anläuft. Winzige Wasserperlen, die an der glatten Oberfläche hängen bleiben. Wasserdampf füllt den Raum. Du bist nicht fähig dich zu bewegen. Tränen rinnen über dein Gesicht. Merkst du nicht, dass das nichts bringt. Niemand will dich so sehen. Du hast die Tür versperrt, obwohl du alleine bist. Du bist alleine. Die Einsamkeit ist dein Problem und trotzdem suchst du sie ständig. In Gesellschaft fällt es dir leicht zu lachen.
Die Erinnerungen kommen wieder hoch. Es gibt keinen Zusammenhang, außer dass dies alles mir passiert ist. Ich möchte nichts ungeschehen machen, auch wenn es mir weh tut, wenn ich daran denke. All die Dinge, die ich heute anders machen würde. Damals habe ich es nicht und wenn doch, wären viele Türen verschlossen geblieben. Ich inhaliere den Wasserdampf. Meine Haut fängt die winzigen Tropfen auf und lässt sie langsam hinunterfließen.
Es spielt keine Rolle, was du ihnen erzählst. Wichtig ist, wie du es machst. Du bist müde, doch du kannst nicht schlafen. Deine Gedanken haben zu viel macht über dich. Du versuchst nicht sie zu vertreiben. Behauptest sogar, dass du glücklich traurig wärst. Welch ein Unsinn. Viel zu oft habe ich dich in diesem Zustand gesehen. Du verletzt dich damit selbst, aber willst es nicht wahrhaben.
Manchmal habe ich das Gefühl meine Worte haben keinen Inhalt. Ich schreie etwas hinaus, doch niemand versteht es, weil ich kein Geräusch von mir gebe. Ich will nicht unhöflich sein. Oft lasse ich mich unterbrechen. Wenn sich das Gespräch dadurch in eine andere Richtung bewegt, schweige ich. Phrasen, wie “was ich vorher noch sagen wollte” sind mir unangenehm. Sie zerstören den Fluss und das will ich nicht.
Jetzt steh endlich auf, ich habe nicht die ganze Nacht Zeit. Es gibt noch so viel anderes, was ich machen will. Du bist unwichtig und das weißt du. So unwichtig wie jeder andere Mensch auf dieser Welt. Wenn das nur einmal jemand verstehen würde. Es wird nicht mehr lange dauern und wenn es soweit ist, greifen sich alle an den Kopf und verzweifeln. Weil sie plötzlich ihre Nichtigkeit begreifen.
Ich bin alles, was ich habe. Die anderen sind vergänglich. Meine Angst jemanden zu nah an mich heranzulassen begründet sich auf zwei Dingen. Wer mich kennt kann mich verletzen und wen ich ins Herz geschlossen habe, geht nicht ohne einem Teil von mir. Gemeinsam sind wir stark, doch alleine bin ich unverwundbar.
Du hast dich selbst verraten. Deine verdammte Welt dreht sich um dich, doch die da draußen dreht sich um die Sonne. Wenn sie einmal verbrutzelt, wird niemand an dich denken. Jeder denkt dann bloß noch an sich. Was du sagst, heißt nichts anderes, als dass du zu schwach bist an andere zu denken. Doch das ist egal, denen geht es gleich. Ihr unterscheidet euch nur darin, dass sie es dennoch machen.
Gepostet von Luca Hammer am
02.01.2008
Ich.
Ich stehe mitten auf dem Weg. Mein übermütiger Griff nach deiner Hand ging ins Leere. Große Schneeflocken schweben zu Boden. Sie bleiben auf mir liegen. Verwandeln sich in salzige Tropfen und rinnen über meine Wangen. Die Haare bleichen auch. Das Gesicht verfällt.
Ich bin auf einer Party. Du stehst an der Theke. Als sich unsere Blicke kreuzen, bilde ich mir ein, ein Lächeln zu sehen. Ich springe auf, renne aus meiner dunklen Ecke auf dich zu, doch bevor ich bei dir bin liege ich längs auf dem harten Boden. Als ich aufblicke, stehst du mit schüttelnden Kopf über mir. Ich schließe die Augen, versuche dich zu vergessen. Anstatt aufzustehen, mich zu entschuldigen, mit dir zu reden, bleibe ich liegen.
Ich liege in meinem Zimmer. Es ist leer. Kalt. Ich starre die Wand an. Sie verändert sich nicht. Meine Hände hängen schlaff herunter, liegen auf dem Boden. Meine Gedanken spielen Kino, doch jemand vergaß den Film zu schneiden. Ungeordnet werde Szenen zu schnell, zu gleich, überlappend abgespielt.
Ich renne durch die Stadt. Ein neues Jahr. Der Boden ist übersät mit Fetzen von lauten Begegnungen. Zerrissen. In ein paar Stunden werden sie weggeräumt. Niemand wird sich mehr daran erinnern. Meine Hand klammert sich um den Schlüssel, doch er passt zu keiner offenen Tür.
Ich sitze im Zug. Er fährt, doch nicht dorthin, wo ich hin will. Ein Traum zieht vorbei. Plötzlich ist alles still. Meine Ohren träumen von deiner Stimme.
Gepostet von Luca Hammer am
31.12.2007
Blick zurück
Vor mir sehe ich das Ende des letzten Jahres. Die Feier, welche ich veranstaltet habe. Es war in einer Phase der Hoffnung. Während der Party mussten einige Dinge geklärt werden. Nicht mein Leben. Nicht meines und doch war es wichtig für mich. Im Keller gab es laute Musik, überall Alkohol. Ein Glas, welches Baileys enthielt steht noch immer leicht versteckt hinter dem Fernseher. Ich sträubte mich jedes Mal es wegzuräumen. Jedes Mal, wenn ich mich hinsetzte und den Fernseher anmachte erinnerte es mich an das geschehene.
Doch Silvester 06/07 war nur ein kleiner Höhepunkt in einer Reihe von Vorfällen, Begebenheiten. Ich war vielleicht mehr drin, als die verwickelten Personen selbst. Der, der etwas außerhalb stand und versuchte den Überblick zu wahren. Befangen mit der Sichtweise von einer Seite. Nicht immer sicher, was ich für gut und was für schlecht befand. Quelle vieler Emotionen, die mich noch heute beschäftigen. Was wirklich geschah, werde ich wie so viel anderes in meinem Archiv vertauen und nur noch für eigene Reflexionen verwenden. Es geht sie nichts an.
Das Jahr bestand jedoch nocht nur aus einer Party, schon gar nicht nur aus der Silvesterparty. Ich würde es als das bisher wichtigste meines Lebens beschreiben.
Der erfolgreiche Abschluss einer achtjährigen Phase des berieseln lassens. Ein letzter Aufschrei, um zu zeigen, dass man mich falsch eingeschätzt hat. Ich habe all die Jahre nicht viel dagegen unternommen, aber plötzlich war das Verlangen da. Am wichtigsten Punkt musste ich rebellieren. Sie mussten es hinnehmen, weil nicht zu leugnen war, dass der Rest in Ordnung war.
Erstmals ging es mir wirklich besser. Ich war ruhig, während andere zitternden. Mein Ego musste nichts erfinden und dennoch sah es aus, wie immer. Ich frage mich manchmal, ob mich jemand durchschaut hat. Im Nachhinein ist es lächerlich, aber damals kam für mich gar nichts anderes in Frage. Ich war nicht stark genug.
Das Ende einer anderen beinahe achtjährigen Phase. In meinem Zimmer steht noch immer eine verschlossene Holzkiste. Den Schlüssel trug ich bei mir. In ihr Erinnerungen. Eigene und fremde, die ich mir aneignete. Gestohlen und ohne schlechtem Gewissen behalten. Heute werden viele froh sein, wenn diese Dinge nie wieder an die Oberfläche kommen. Dazu gehöre auch ich. Vielleicht entsorge ich sie auch, vielleicht behalte ich sie um mich daran zu erinnern, dass ich es besser kann. Dass ich mich nie wieder so verhalte.
Fast acht Jahre, die ich gelitten habe und die mich geprägt haben. Es hätte ander laufen können und ich hätte niemals begonnen zu schreiben. Hätte mich niemals an andere Menschen vertraut. Ich kann mir vorstellen, wie ich geworden wäre, und es ist schrecklich. Nein, hellsehen ist etwas anderes. Ich kombiniere lediglich Erfahrungen und schaue, was dabei herauskommt. Keine Tatsachen.
Im Sommer war es dann vorbei. Wieder einmal Party. Zwei Wochen, eine davon offiziell. Es war eine tolle Zeit. Danach zerbrach ich. Jedoch nur kurz. Es war nicht zu vergleiche mit den Jahren zuvor. Ich hatte etwas gelernt und mein Ego wurde auf Normalgröße aufgepumpt. Das Chaos, das ich zu Beginn empfand kann ich fast nicht mehr nachvollziehen. Zu weit weg ist alles und meine Entwicklung ist explosionsartig voran geschritten.
Die Europareise. Eine Aneinanderreihung von spontanen Entscheidungen. Wieder gelernt das Leben zu lieben und nicht bloß Personen, die es so nicht gab. Valencia, Paris, Berlin. Ich lehne mich gerne zurück und versinke in dem Gefühl frei zu sein. Es tat gut, raus zu kommen und festigte meinen Wunsch nach Wien zu gehen. Die wichtigste Entscheidung in diesem Jahr.
Alleine, jedoch mit einem Platz zum wohnen und essen. Es ging mir zeitweise mies. Fühlte mich hilflos und einsam. Mitten im Leben und doch irrte ich umher ohne etwas davon mitzubekommen. Mein Inneres fährt seitdem Achterbahn. Noch immer geht es auf und ab. Loopings, die mich beinahe zerreisen. Ich bin süchtig danach.
Neue Personen, die den Verlauf meines Seins bereits jetzt auf den Kopf gestellt haben. Es tut gut. Nun bin ich bereit zu begreifen und ich weiß, wie wichtig es für mich war. Wie wichtig es noch werden könnte. Alleine bin ich weiterhin, doch dagegen können sie nichts machen. Das liegt zu einem großen Teil in meiner Verantwortung und ein bisschen woanders.
Nur noch ein paar Stunden.
Mein einziger Vorsatz für 2008 ist, dass es 2007 übertrifft.

